Meditation zur Gestaltung der Jahreslosung 2020

von Erika Genser


»Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« Markus 9,24


Der Satz der Jahreslosung ist das Kernstück einer neutestamentlichen Geschichte. Eben noch hatte der engste Jüngerkreis Jesu, Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung Jesus in der Herrlichkeit des Vaters in lebendiger Gemeinschaft mit Mose und Elia, die seit Jahrhunderten tot waren, erlebt. Eine Erfahrung, die schon wie eine Vorwegnahme der Auferstehung Jesu auf die Jünger wirkte. Aber nun werden sie von der grausamen Wirklichkeit eines besessenen Knaben zurückgerissen in die Realität der satanischen Wirklichkeit in unserer Welt. Sie erleben die Hilflosigkeit der anderen Jünger und der Schriftgelehrten, das namenlose Leid eines Vaters mit seinem besessenen Sohn. Wer hat noch nie, trotz christlichem Glauben, solche harte Realität in Krankheit und Not erlebt?

Die dunkelblaue untere nachtschwarze Seite in der Graphik von Erika Genser stellt diese schwere Wirklichkeit unserer Erfahrung dar. Es ist die Welt, in die Jesus hineingekommen ist und in der er den Kampf mit Sünde, Tod, Teufel und Hölle aufgenommen hat. Es geht um einen Ausweg aus dieser Not.

Der Glaube allein an die Realität des dreieinigen Gottes ist der Ausweg! Alles andere sind vergebliche Versuche, herauszukommen aus unserem Elend.

Wer möchte nicht glauben? Die Botschaft der ganzen Bibel ist deswegen ein einziger Ruf zum Glauben an die Realität des Lichtes Jesu in unserer Finsternis! In dieser Spannung lässt Erika Genser eine Feuerflut aufleuchten, die von Pfingsten her das dunkle Kreuz zum schneeweißen Kreuz in der Ostersonne werden lässt. Flammen aus dem Pfingstfeuer vereinen sich zur Ostersonne. Eine Vorwegnahme der Auferstehungswirklichkeit Jesu noch vor dem Karfreitag ereignet sich in dieser Geschichte. Die obere Lichtseite der Graphik will hineinschauen lassen in die Verklärung, in die Auferstehungswirklichkeit. Gottes Ostersonne und Pfingstflammen des Heiligen Geistes stehen als Symbol für christliche Hoffnung. Die Verzweiflung des Vaters über die menschliche Ausweglosigkeit der Not, in der sich der Sohn befindet, wird zu einem Schrei nach Jesus. Dieser Schrei ist die Jahreslosung. Der Glaube, dass Jesus Retter, Heiland, Helfer ist, durchbricht den lähmenden Unglauben des Vaters. Er wirft sich im Glauben hinein in das Licht Jesu. Dieser Schrei erreicht das Herz Jesu und führt zum vollmächtigen Handeln des Christus Jesus. Er gebietet dem bösen Geist, der sich ein letztes Mal aufbäumt. Die Finsternis muss weichen. Der Knabe liegt wie tot vor Jesus. Aber die Retterhand richtet ihn auf. Heilung geschieht. Dieser Christus will auch das Ziel unseres Glaubens immer neu werden im Dunkel unserer Anfechtungen. Wag es, zu rufen: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!"

Friedrich Bosch, Pfarrer i.R. in Hof/S.